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Aus dem Tagebuch eines Fürthers…

von Sebastian Gibtner

Geselligkeit Fuerther Kirchweih

Es ist schon schade. Kirchweih hin oder her, dieses ritualisierte Gesaufe ab Mai finde ich ja persönlich mehr als fragwürdig. Im Rhythmus der Wochenenden kann sich der Franke von Quakenbrück bis Schwartenkrachdorf durch den bayerischen Norden trinken. Kaum einer hält hier doch aus kultureller Verbundenheit die Tradition am Leben, sondern geht auf Deutsch gesagt „nur zum Fressen und Saufen“ da hin. Die Kirche besucht schon lange keiner mehr oder weiß von den alten Traditionen des Betz´ntanzes oder des Küchlezamspielns.

Aber was soll´s: Die Königin der Kirchweihen ist da, durch die Fürther Straßen weht ein laues Lüftchen und die Stärke der noch warmen Sonnenstrahlen lässt erahnen, dass es langsam Herbst wird. Zudem geht ein Arbeitstag zu Ende und der Hunger treibt mich aus der Südstadt in Richtung Gustav-Schickedanz-Straße zum Langosstand. Schließlich benötigt man eine Grundlage für weitere Köstlichkeiten, für die die Fürther Kerwa so bekannt ist.
Nach dem ersten Genusshappen, den Geschmack des Knoblauchs noch im Munde verhallend, treibt es mich weiter ins enge Getümmel. Bei der Bambushütt´n treffe ich einen Arbeitskollegen, ungewollt. Um das Aufeinandertreffen möglichst kurz zu halten, bestelle ich dort an der Bar entsprechend zwei ebenso Kurze. Zudem war das Langos auch echt fettig…
Nach einer einstündigen Lästerei über Politik, Arbeitskollegen, Verwandte, Freunde und das Verkommen der Kerwakultur haben wir uns nach fünf Kurzen nun doch entschieden, wieder getrennte Wege zu gehen. So verkehrt ist der Arbeitskollege doch nicht. Ich sollte wirklich netter zu ihm sein.
Zügig, aber ohne Hast treibt es mich durch die Rudolf-Breitscheid-Straße hin zur Fischbraterei. Es waren wohl doch etwas zu viele Schnäpse. Daher bestelle ich mir dort just eine gegrillte Makrele, mit einem Bier versteht sich. Anders bringt man den fettigen Fisch doch gar nicht runter.
Gestärkt und zufrieden höre ich von weitem schon die Musik aus „Heidis Treff“. Das hat schon Tradition, dass man hier einkehren MUSS! Man kennt sich und trinkt auf die Gesundheit der Mutter und – was soll´s – auch auf die der Schwiegermutter.
Schnell noch einen Ersatzreißverschluss und Hosenträger gekauft. Mach´ ich jedes Jahr so. Ersatzteile in der Linken, Käse und Salami in der Rechten, das darf nicht fehlen in der Nürnberger Straße. Ahhh, die Alte Bier Hütt´n.
Es wird langsam dunkel. Nicht nur in den Straßen der Stadt.

…11:00 Uhr morgens, Samstag. Selbst das Hubbleteleskop hätte keine Schwierigkeiten, das Schwarze Loch in meinem Gedächtnis zu finden. Während der Rekonstruktion meines Abends stelle ich fest, dass ich das letzte Helle wohl schlecht gewesen sein muss.
Beim morgendlichen Kaffee auf dem Balkon sitzend mampfe ich die Reste einer großen Salzbreze und plane mein Wochenende: Julia, eine Freundin aus Nürnberg hat sich angekündigt und will mich besuchen kommen. Da böte es sich doch an, auf die Kerwa zu gehen. Diesmal durch die Königsstraße bis zur Gustav. Im Wandel der Zeit ändern sich oder verschwinden manche Traditionen, doch die wichtigste bleibt bei der Kerwa wohl doch erhalten: Die Geselligkeit.

Sebastian Gibtner

 

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