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Der 30. September 2005

von Tanja Busch

Tanja und Liam Busch

Foto: privat

Heuer jährt er sich zum 15. Mal, der denkwürdige Tag. Ich war bei strahlendem Septemberwetter unterwegs mit dem Auto über Land, Besorgungen machen. Ich war in der 38. Woche schwanger, freute mich immens auf unser erstes Kind, ein absolutes Wunschkind. Liam sollte er heißen. Vormittags besuchte ich noch eine Kollegin auf einen Kaffee, wir hatten Spaß, ich hatte super Laune, fühlte mich toll. Kurz vor Poppenreuth, es war 14 Uhr, spürte ich plötzlich Flüssigkeit abgehen, richtig viel. Die Fruchtblase geplatzt? Ich schmunzelte, ging es also doch schneller? Und es gab noch weitere Komplikationen. Binnen wenigen Momenten war die Vorfreude auf eine harmonische Geburt weg. Ich rief meinen Mann an und wir beratschlagten binnen Sekunden, ich solle den Notarzt rufen. Ich stand hinter dem Poppenreuther Friedhof, lediglich 10 Minuten später hörte ich das Martinshorn- Wahnsinn. Blitzartig das Auto abgesperrt, in den Krankenwagen eingeladen. Liegend, ich durfte mich nicht mehr bewegen. Die Plazenta hatte sich gelöst, es hing alles am seidenen Faden. Weitere 10 Minuten später angekommen im Fürther Krankenhaus – man hatte mein flehentliches Bitten nicht erhört, mich doch bitte in ein Nürnberger Krankenhaus zu bringen 😉 Ich hatte nichts mehr außenherum wahrnehmen können, völlig fokussiert auf den Moment. Ich konnte doch Liam nicht Tage vor der planmäßigen Geburt einfach so verlieren? Ich hatte im Wagen noch telefonisch Bescheid geben dürfen, wohin ich komme. Kurze Voruntersuchung im Krankenhaus, wurde ich direkt in den OP geschoben. Während des Hinüberfahrens rasiert, Schmuck abgenommen („kann den niemand nehmen? Stehen doch genügend rum!!“) Ich war voll mit Adrenalin. Es ging blitzschnell. Ich konnte nur noch bis 5 zählen, dann war ich weg. Weitere 10 Minuten später, ich konnte es später den Geburtsdaten entnehmen, war mein Sohn um 14:35 Uhr wohlbehalten da. Ich brauchte einige Zeit, um mich von diesem Schock zu erholen, hatte eine Menge Blut verloren. Die Ärzte haben jedoch in diesem Moment genau richtig und lebensrettend gehandelt. Welch ein Glück!!! Noch Jahre später habe ich regelmäßig den Johannitern gespendet, welche mich an dem Tag ins Krankenhaus verbrachten. Was diese Geschichte mit der Kärwa zu tun hat? Ihr erinnert Euch, ich habe im Notarztwagen noch telefoniert. Mein damaliger Mann, der Nähe Maximilanstrasse arbeitete, fuhr wie ein Berserker mit dem Fahrrad über die Fürther Strasse, dann Nürnberger Strasse, Fürther Rathaus und schließlich die Billinganlage hinüber ins Krankenhaus. Das war genau während der Aufbauarbeiten für die Fürther Kärwa, und unzählige Menschen haben sich erschrocken, gewundert, lauthals beschwert. Niemand ahnte, dass er auf dem Weg zu seinem neugeborenen Sohn war! Er hielt sein schläfriges, aber pumperlgesundes Kind nur Minuten nach der Geburt vollkommen erschöpft, aber überglücklich im Arm!! Noch oft haben wir diese Geschichte im Freundes- und Familienkreis als Anekdötchen erzählt. Heute ist der junge Mann kurz vor seinem 15. Geburtstag, bereits 5cm größer als ich und ich bin megastolz auf ihn – einfach, weil er da ist. Ein Wunder 😉 Deshalb denke ich jedes Jahr an der Fürther Kärwa mit Freude und Dankbarkeit an dieses wunderbare Ereignis zurück.

Tanja Busch

Autorenpoträt

Tanja Busch, Jahrgang 1971, geb. in Nürnberg. Aufgewachsen zum Teil in der Oberpfalz, hat mit zwei der Redakteure zusammen in FürthAbitur gemacht. In Starnberg Studium der Rechtspflege. Lebt in Nürnberg und ist dort tätig beim LandgerichtNürnberg-Fürth.
Nebenberuflich als Schauspielerin in diversen Theaterensembles der freien Szene Nürnberg und Fürth aktiv, so zB. TKKG Fürth (u.a. als Mirandolina) oder (z.B. in „Frau Müller muss weg“).

Tanja Busch

Foto: privat

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