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Von Zweien, die auszogen, das Bierbrauen zu lernen *

von Günter Scheuerer

Man müsserts amol zambringa selber a Bier zu braua

Ein Satz zieht sich wie Blei durch meine Familie: „Man müssert amol – man müssert amol dies, man müssert amol das …“. Irgendwann saßen wir zusammen auf der Kärwa und wieder fiel dieser berüchtigte Satz: „Man müsserts amol zambringa selber a Bier zu braua“. Wahrscheinlich hatten diesmal die Richtigen zugehört, denn kurze Zeit später bekam ich anlässlich eines runden Geburtstages von meiner besseren Hälfte einen Braukurs spendiert. Gut ein halbes Jahr später fand ich mich dann zusammen mit meinem kurzfristig nachberufenen Spezl Tilo, in einer Lehrküche im Landkreis wieder. Voller Spannung warteten wir auf den Beginn dieser für uns schon fast heilig anmuten­den Veranstaltung. Der erste Dämpfer kam schnell: der laut gebuchtem Kurs herzustellende helle Maibock wurde vom Kursleiter mit 
einem nüchternen „wir mach’n heut ein Weizen“ kassiert. Den Grund dafür haben wir damals nicht gleich verstanden, heute ist es klar: es war Ende April und schon ziemlich warm. Somit war an die Herstellung eines anspruchsvollen Maibocks, der kühle Temperaturen zur Gärung benötigt (also ein „untergäriges“ Bier), mit einfachen Bordmitteln nicht zu denken. Ein Weizensud hingegen konnte bei Raumtemperatur vergären („obergärig“) und war für den Anfänger somit wesentlich leichter zu handhaben. Wir folgten also als Dreierteams mit ernsten Gesichtern den nüchternen und in schneller Abfolge erteilten Anweisungen unseres Kursleiters. Die Eile war berechtigt, tatsächlich hatten wir satte acht Stunden damit zu tun, Töpfe zu befüllen, Wasser zu erhitzen, Malz zu maischen und zu erhitzen, Maische zu läutern, Würze zu kochen und die Gerätschaften zu reinigen und wieder zu reinigen und wieder …, dieses elende Reinigen. Am Ende des Brautages (der heißt nicht umsonst so!) standen dann jedem von uns gut fünf Liter Würze zur Verfügung, die wir – aus rechtlichen Gründen – anschließend allein Zuhause zur Gärung bringen sollten, was uns auch gelang. Allerdings war mir nicht ganz geheuer vor dem, was da im warmen Heizungskeller recht unansehnlich vor sich hin quoll. Es ist aber tatsächlich ein trinkbares Weizen daraus entstanden, was uns natürlich motivierte.

Ein Satz zieht sich wie Blei durch meine Familie: „Man müssert amol – man müssert amol dies, man müssert amol das …“. Irgendwann saßen wir zusammen auf der Kärwa und wieder fiel dieser berüchtigte Satz: „Man müsserts amol zambringa selber a Bier zu braua“. Wahrscheinlich hatten diesmal die Richtigen zugehört, denn kurze Zeit später bekam ich anlässlich eines runden Geburtstages von meiner besseren Hälfte einen Braukurs spendiert.

Gut ein halbes Jahr später fand ich mich dann zusammen mit meinem kurzfristig nachberufenen Spezl Tilo, in einer Lehrküche im Landkreis wieder. Voller Spannung warteten wir auf den Beginn dieser für uns schon fast heilig anmuten­den Veranstaltung. Der erste Dämpfer kam schnell: der laut gebuchtem Kurs herzustellende helle Maibock wurde vom Kursleiter mit 
einem nüchternen „wir mach’n heut ein Weizen“ 
kassiert. Den Grund dafür haben wir damals nicht gleich verstanden, heute ist es klar: es war Ende April und schon ziemlich warm. Somit war an die Herstellung eines anspruchsvollen Maibocks, der kühle Temperaturen zur Gärung benötigt (also ein „untergäriges“ Bier), mit einfachen Bordmitteln nicht zu denken. Ein Weizensud hingegen konnte bei Raumtemperatur vergären („obergärig“) und war für den Anfänger somit wesentlich leichter zu handhaben.
Wir folgten also als Dreierteams mit ernsten Gesichtern den nüchternen und in schneller Abfolge erteilten Anweisungen unseres Kursleiters. Die Eile war berechtigt, tatsächlich hatten wir satte acht Stunden damit zu tun, Töpfe zu befüllen, Wasser zu erhitzen, Malz zu maischen und zu erhitzen, Maische zu läutern, Würze zu kochen und die Gerätschaften zu reinigen und wieder zu reinigen und wieder …, dieses elende Reinigen. Am Ende des Brautages (der heißt nicht umsonst so!) standen dann jedem von uns gut fünf Liter Würze zur Verfügung, die wir – aus rechtlichen Gründen – anschließend allein Zuhause zur Gärung bringen sollten, was uns auch gelang. Allerdings war mir nicht ganz geheuer vor dem, was da im warmen Heizungskeller recht unansehnlich vor sich hin quoll. Es ist aber tatsächlich ein trinkbares Weizen daraus entstanden, was uns natürlich motivierte.

Die erste Bierprobe

Wie ging es nun weiter? Die Messlatte, zumindest bei Weizenbieren, war für uns bis dato immer die Qualität der hervorragenden Erzeugnisse aus einer etwas vulgär klingenden Ortschaft im Altmühltal (na, klingelts?). Nichts weniger als dieses Niveau wollten wir in unserer Anfangseuphorie erreichen. Also frisch ans Werk gemacht und eine professionelle Brauausrüstung bestellt und kurze Zeit später war es dann so weit: das erste komplett eigenständig hergestellte Jungweizen war in der Flasche. Die Hauptgärung war aufgrund hoher Außentemperaturen überaus stürmisch verlaufen und innerhalb von zwei Tagen erledigt! Wir waren skeptisch: Soll das so sein? Wird das was werden und wenn ja, wie schmeckt das am Ende? Zweifel plagten uns, und das ganze vier Wochen lang – diese Zeit braucht es nämlich mindestens, bis die Reifung in der Flasche abgeschlossen ist. So müssen sich Plantagenbesitzer fühlen, wenn sie die allerersten Christbäume pflanzen.
Dann war es endlich Zeit für eine erste Bierprobe. Diese zelebrierten wir im Schrebergarten stilecht mit Freunden, einer kleinen Brotzeit und Quetschnmusik. Am Ende stellten wir fest, dass das wohl doch nicht die beste Idee war, da der mühsam erarbeitete Stoff so gut ankam, dass er bereits wieder zur Neige ging.

Ach ja, zum Geschmack des ersten Versuchs: für die selbstgesteckte Messlatte hat’s natürlich hinten und vorne nicht gereicht, aber das Prädikat „goud“ unserer Gäste reichte uns völlig aus.

Wie ging es nun weiter? Die Messlatte, zumindest bei Weizenbieren, war für uns bis dato immer die Qualität der hervorragenden Erzeugnisse aus einer etwas vulgär klingenden Ortschaft im Altmühltal (na, klingelts?). Nichts weniger als dieses Niveau wollten wir in unserer Anfangseuphorie erreichen. Also frisch ans Werk gemacht und eine professionelle Brauausrüstung bestellt und kurze Zeit später war es dann so weit: das erste komplett eigenständig hergestellte Jungweizen war in der Flasche. Die Hauptgärung war aufgrund hoher Außentemperaturen überaus stürmisch verlaufen und innerhalb von zwei Tagen erledigt! Wir waren skeptisch: Soll das so sein? Wird das was werden und wenn ja, wie schmeckt das am Ende? Zweifel plagten uns, und das ganze vier Wochen lang – diese Zeit braucht es nämlich mindestens, bis die Reifung in der Flasche abgeschlossen ist. So müssen sich Plantagenbesitzer fühlen, wenn sie die allerersten Christbäume pflanzen.
Dann war es endlich Zeit für eine erste Bierprobe. Diese zelebrierten wir im Schrebergarten stilecht mit Freunden, einer kleinen Brotzeit und Quetschnmusik. Am Ende stellten wir fest, dass das wohl doch nicht die beste Idee war, da der mühsam erarbeitete Stoff so gut ankam, dass er bereits wieder zur Neige ging.

Ach ja, zum Geschmack des ersten Versuchs: für die selbstgesteckte Messlatte hat’s natürlich hinten und vorne nicht gereicht, aber das Prädikat „goud“ unserer Gäste reichte uns völlig aus.

Günther begutachtet den Sud

Günter Scheuerer begutachtet die Würze
Foto: Tilo Seifert

Ein Biersommelier meint: „Des is fei saugoud“

Natürlich haben wir uns in der Folgezeit auch an anderen Sorten versucht, haben sowohl obergärig als auch untergärig gebraut (wenn es die Jahreszeit zuließ) und zahlten unser Lehrgeld. Aber egal – ob Mäuse am Malz knabberten, Maische anbrannte, fehlerhafte Jodproben den Schweiß auf die Stirn trieben, Sude überquollen oder der Druck in den Flaschen bedenkliche Werte annahm – letztlich ist immer Bier draus geworden.
Den Ritterschlag für die ganzen Bemühungen erhielten wir dann ganz überraschend auf der Fürther Kärwa 2018. Nachdem wir uns beide beim gemeinsamen Stand von Kärwazeitung und FürthWiki engagierten, ließ Tilo es sich nicht nehmen, die ewig durstigen Standbetreiber mit einer Charge selbstgebrautem Hellen zu versorgen. Und als zufällig der Fürther „Brauereibeauftragte“ Hellmut Ell, seines Zeichens Biersommelier und Brauereiführer, am Stand auftauchte, nutzten wir die Gelegenheit und hielten ihm ein Seidla zur Begutachtung hin: „Da, probier mal, ham wir g’macht“. Ell war skeptisch und murmelte etwas Abfälliges à la: „ja, ja heute will jeder Bierbrauer sein …“. Wir wissen es nicht mehr genau. Jedenfalls hat er es dann doch verkostet und rief mit weit aufgerissenen Augen: „Des is fei saugoud“ – da wussten wir endgültig, dass wir auf dem richtigen Weg sind …
In der Folgezeit wurde der Ablauf der Würzezubereitung weiter optimiert und die anfangs so anstrengenden Brautage entspannten sich immer weiter. Die einzelnen Sude erhielten der Jahreszeit oder dem Anlass nach entsprechende Namen wie „Auferstehung“, „Adventsseidla“, „Corona-Extra“, „Lockdown-Pils“, „Jubiläumsweizen“, „Bella Italia“ und so weiter und so fort.

Natürlich haben wir uns in der Folgezeit auch an anderen Sorten versucht, haben sowohl obergärig als auch untergärig gebraut (wenn es die Jahreszeit zuließ) und zahlten unser Lehrgeld. Aber egal – ob Mäuse am Malz knabberten, Maische anbrannte, fehlerhafte Jodproben den Schweiß auf die Stirn trieben, Sude überquollen oder der Druck in den Flaschen bedenkliche Werte annahm – letztlich ist immer Bier draus geworden.
Den Ritterschlag für die ganzen Bemühungen erhielten wir dann ganz überraschend auf der Fürther Kärwa 2018. Nachdem wir uns beide beim gemeinsamen Stand von Kärwazeitung und FürthWiki engagierten, ließ Tilo es sich nicht nehmen, die ewig durstigen Standbetreiber mit einer Charge selbstgebrautem Hellen zu versorgen. Und als zufällig der Fürther „Brauereibeauftragte“ Hellmut Ell, seines Zeichens Biersommelier und Brauereiführer, am Stand auftauchte, nutzten wir die Gelegenheit und hielten ihm ein Seidla zur Begutachtung hin: „Da, probier mal, ham wir g’macht“. Ell war skeptisch und murmelte etwas Abfälliges à la: „ja, ja heute will jeder Bierbrauer sein …“. Wir wissen es nicht mehr genau. Jedenfalls hat er es dann doch verkostet und rief mit weit aufgerissenen Augen: „Des is fei saugoud“ – da wussten wir endgültig, dass wir auf dem richtigen Weg sind …
In der Folgezeit wurde der Ablauf der Würzezubereitung weiter optimiert und die anfangs so anstrengenden Brautage entspannten sich immer weiter. Die einzelnen Sude erhielten der Jahreszeit oder dem Anlass nach entsprechende Namen wie „Auferstehung“, „Adventsseidla“, „Corona-Extra“, „Lockdown-Pils“, „Jubiläumsweizen“, „Bella Italia“ und so weiter und so fort.

selbstgebrautes Weizenbier

selbstgebrautes Weizenbier
Foto: Tilo Seifert

Bierbrauen ist kein Hexenwerk

Bierbrauen ist kein Hexenwerk und auf jeden Fall erlernbar. Ausdauer, Disziplin und ein Grundverständnis der chemischen Abläufe sind jedoch vonnöten (und auch ein gewisses Frustrationspotential).
Wohin sich das Ganze noch weiterentwickelt wissen wir nicht. Tilo hat sich zwischendurch als Wanderbrauer betätigt, mit der Fassabfüllung herumexperimentiert und eine Malzmühle angeschafft. Und die nächste Schnapsidee liegt wahrscheinlich schon um die Ecke. Apropos Schnaps … man müssert amol …
P. S.: Kräftig im Antrunk? Noten von Zitrus und Vanille? Blumig im Abgang? Vergesst es! Wir haben keine langen Bärte über Holzfällerhemden und fabulieren auch nicht stundenlang über Bierfarben oder das Stehvermögen von Schaum. Wir sind einfach zwei Bierfreunde, die die gleiche Idee hatten.
Für alle, die nun Lust auf mehr haben, gibt’s den roten Button der zu dem vereinfachten Braurezept führt, welches es ermöglicht mit normalen Haushaltsutensilien und ohne großes Bierpapo vier Liter (also acht Halbe) helles Weizenbier mit knapp 5% Vol. herzustellen.

Gut Sud!

Bierbrauen ist kein Hexenwerk und auf jeden Fall erlernbar. Ausdauer, Disziplin und ein Grundverständnis der chemischen Abläufe sind jedoch vonnöten (und auch ein gewisses Frustrationspotential).
Wohin sich das Ganze noch weiterentwickelt wissen wir nicht. Tilo hat sich zwischendurch als Wanderbrauer betätigt, mit der Fassabfüllung herumexperimentiert und eine Malzmühle angeschafft. Und die nächste Schnapsidee liegt wahrscheinlich schon um die Ecke. Apropos Schnaps … man müssert amol …
P. S.: Kräftig im Antrunk? Noten von Zitrus und Vanille? Blumig im Abgang? Vergesst es! Wir haben keine langen Bärte über Holzfällerhemden und fabulieren auch nicht stundenlang über Bierfarben oder das Stehvermögen von Schaum. Wir sind einfach zwei Bierfreunde, die die gleiche Idee hatten.
Für alle, die nun Lust auf mehr haben, gibt’s den roten Button der zu dem vereinfachten Braurezept führt, welches es ermöglicht mit normalen Haushaltsutensilien und ohne großes Bierpapo vier Liter (also acht Halbe) helles Weizenbier mit knapp 5% Vol. herzustellen.

Gut Sud!

* Auf gesetzliche Vorgaben ist zu achten (Anmeldung beim zuständigen Zollamt).

Aktuelles zur Kärwazeitung

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Der Stadtplan

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Warum ich den Stadtplan kaufte? Ganz einfach: weil man ihn mir anbot.

wenn i mol was singa soll

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